November in Berlin. Schlimmer ist nur Februar. Deshalb bin ich froh, dass ich etwas zu tun habe, was mich vom Grau ablenkt. Nach ein paar Wochen des Ruhens bewegt sich das Manuskript vom Ashby-Sequel langsam wieder auf den Schreibtisch zu, jede Nacht robbt es ein paar Centimeter weiter. Ich schätze, nächste Woche ist es dann soweit und ich gehe die Änderungen an. Eine ziemlich zentrale Figur bekommt einen neuen Background, und seit ein paar Tagen kritzele ich für sie Pop-Lyrics, bei denen ich mich bemühe, Schmerz nicht auf Herz zu reimen.

Die Amazon-Kritiken und die anderen Netz-Rezensionen für „Ashby House“ sind für mich ganz spannend zu lesen gewesen. Von Total-Verrissen bis Lobeshymnen war alles dabei – glücklicherweise überwiegen die positiven Rückmeldungen, die durchaus bestärkend wirken. Die Verrisse fand ich weitestgehend amüsant und sie perlen von mir ab wie Wasser von der Ente. Ich habe nicht damit gerechnet, dass der Roman allen gefallen würde, dazu ist er zu wenig klassisches Genre. Das „Mehr“ war für einige LeserInnen ganz klar zuviel. Das zeigt sich, wenn man sich mal die anderen Rezensionen dieser KritikerInnen anschaut. Besonders amüsant fand ich die Sex-Diskussionen. Darf man sowas? Homosexueller Verkehr? Da sexuelle Praktiken in der Literatur vornehmlich heterosexuell sind, war es mir ein Anliegen, dem etwas entgegen zu setzen. Dass es Menschen gibt, die das unangenehm berührt, sagt mehr über diese Menschen aus, als man eigentlich wahrhaben möchte- dass so etwas in unserer aufgeklärten Gesellschaft überhaupt noch aneckt, belegt, dass wir so wahnsinnig aufgeklärt offenbar gar nicht sind. Und wenn diese Szene auf Seite 41 dazu führte, dass sich herausstellt, dass Sexualität, die nicht heterosexuell ist, noch immer tabuisiert wird, dann war es mir den Spaß wert. (Über die Sex-Szene zwischen Laura und -Spoiler!- Hector hat sich jedenfalls niemand echauffiert.)

Wenn man sich mal einen richtig fiesen Tag machen möchte, dann muss man nur ein beliebiges Nachrichtenmedium im Internet konsultieren, einen wahllosen Artikel und dann die Kommentare dazu lesen. Die Boshaftigkeit, Bigotterie und Banalität dieser anonymen Kommentatoren zeigt, wie mäklig und meckerig Menschen sein können, wenn sie sich in der vermeintlichen Anonymität des Internets exponieren. Schaurig, aber ohne schön. Um so mehr freute ich mich über ausgiebige Besprechungen, LeserInnen, die aufmerksam lasen und durchaus auch über einige Kritikpunkte. Dennoch gilt auch für die Fortsetzung Georgette Dees Maxime: „Mehr ist MEHR!“

Leserinnen und Leser – Machen Sie das Beste aus dem Herbst!

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