Im Oktober 2009 verbringe ich eine Woche auf dem Land, in der ich nichts zu tun habe, als das Elternhaus zu hüten und mit dem Hund meiner Schwester Gassi zu gehen. Ob die Zeit reicht, das Buch in Verlags-Akquise-Verfassung zu bringen? Ich fliege hindurch. Das Gefühl, dass der Roman, den ich vor fast 5 Jahren zum ersten Mal beendigt habe, nicht verjährt ist, dass er nicht nur den Ansprüchen meiner Agentin, sondern auch den eigenen genügt, überrascht mich. Es stellt sich heraus, dass „Ashby House“ gewissermaßen mein erstes erwachsenes Werk ist. Mein älteren Bücher, insbeondere die, die ich als Ghost schrieb, scheue ich mich ein bisschen, in die Hand zu nehmen. Aber vielleicht traut man sich rückblickend immer weniger zu und denkt, dass man aktuell immer besser, weiser und versierter ist, als man es vor ein paar Jahren war.

Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse kann ich meiner Agentin die (vorläufige) Endfassung mailen. Und Svea macht sich auf den Weg und nimmt die Fährte auf. Ich hätte sie gerne dabei gesehen, ich kann mir nur vorstellen, wie sie ihren Job gemacht hat. Aber ich sehe sie sehr plastisch vor mir, in Gesprächen mit Lektoren und Ressortleiterinnen, Verlagschefs und anderen Agenten. Wenn man Svea einmal gesehen hat, dann vergisst man sie nicht wieder. Und das ist eine Stärke und Qualität, für die man als Autor seiner Agentin dankbar sein kann. Da steht nicht irgendein Zwischenhändler, sondern eine charismatische Persönlichkeit, die aus Begeisterung agiert. Eine Begeisterung, die nicht besonders gut bezahlt wird, es sei denn, das Buch wird irgendwann ein Bestseller oder verfilmt. Eine Persönlichkeit, die Monate lang an dem Projekt festhält, obwohl die Umsatzbeteiligung schlimmstenfalls einzig auf den Verlagsvorschuss fällig wird, der sich zur Zeit in überschaubaren Grenzen hält.

In Frankfurt kann sie Interesse wecken, aber das Buch ist noch nicht verkauft.

Im Februar 2010 bekomme ich einen Anruf von Airen. Der Copy-and-paste-Skandal bricht über ihn herein. Auf einmal übernehme ich für ihn eine Art Agenten-Tätigkeit, weil er nicht allein in Interviews oder Verhandlungs-Gespräche gehen mag, aus Angst, über den Tisch gezogen zu werden. Eines Tages bekommt er ein Angebot vom Blumenbar-Verlag. Dort begrüßt mich Henriette Gallus, die Presse-Chefin des Verlags mit den Worten „Ihr Buch hat mir sehr gefallen!“ Es stellt sich heraus, dass Henriette die Kollegin Svea Kutschkes in der Agentur Simon war, die nach der Lektüre mit einem satten Grinsen ins Büro kam und so grünes Licht für meinen Vertrag mit der Agentur gegeben hatte, und vor kurzem zur Blumenbar gewechselt ist. Ich erzähle ihr nicht, dass Blumenbar, damals noch in München ansässig, eine der ersten Adressen war, an die das Ashby-Manuskript gegangen ist. Hier geht es jetzt um Airen. „Ashby House“ ist in sicheren Händen. Und bei aller Wertschätzung für das Programm und die Verlags-Crew (Vertragsabschluss, Lektorat und Pressekamapagne für Airen kommen mir im Nachhinein vor wie ein Happening, an dem es ein großes Vergnügen war, beteiligt zu sein) – meine Agentin fand den perfekten Verleger für mich.

„Eine gute und eine schlechte Nachricht. dtv will das Buch. Aber sie haben ein paar Probleme.“
Zunächst vermute ich, der Arschfick auf Seite 34 muss raus, aber Svea spricht von einer maßgeblichen Änderung, die erwünscht wird.

Ich versuche, mich nicht zu martern, während ich auf den Anruf von dtv warte. Und noch etwas warte. Und noch etwas länger warte. Eine kleine Probe auf das, was kommen wird. Als der Anruf kommt, setzt große Erleichterung ein. Der Background einer zentralen Figur sei vielleicht für den deutschen Markt problematisch. Ich komme nicht umhin, ihr zu zu stimmen. Es ist vielleicht ein bisschen viel Glamour für den Normalgeschmack. (Nein, keine glitzernden Vampire.) Noch während des Telefonats fällt mir eine Lösung ein und eine weitere Überarbeitung beginnt.

Im Sommer 2010 ist Vertragsabschluss mit dtv. Zwischen „Ashby House“ und meinen vorhergehenden Veröffentlichungen liegen Welten, also beschließe ich, dem ein Zeichen zu setzen, indem ich meinen Autorennamen um ein Initial bereichere. Als Hommage an meinen Vater, dessen Namen ich viel lieber getragen hätte, aber bei meiner Namensgebung hatte sich meine Mutter durchgesetzt, sie wollte keinen Karl, den 4. Meine sehr bodenständigen Eltern haben meine seltsame Berufswahl, meine Karriere zwischen Liebeslied und Pornofilm, deren Verlauf und Verfall und mein Ackern am Existenzminimum immer besorgt betrachtet, oft versucht, mich auf den rechten Weg zu bringen, aber auch immer an mich geglaubt, was das Schreiben angeht. Völlig ungeachtet dessen, was passieren wird, wenn das Buch erscheint – es endlich bei einem der besten deutschen Verlagshäuser unter Vertrag zu haben, ist für uns alle ein Meilenstein.

Das lange Warten zwischen vom Vertragsabschluss bis zur Veröffentlichung ist mehr als zwiespältig. Ich hätte Zeit, den Nachfolger zu schreiben. Aber ich versuche, am Ashby-Ball zu bleiben – das ist einer der Gründe, warum ich über die Entstehung schreibe. Ich will nicht mitten in einem neuen Stoff stecken, wenn das Buch erscheint. Oder doch? Dieser Prozess, von Abgabe bis Veröffentlichung, wird wohl im Sommer in die heiße Phase geraten. Lektorat, weitere Überarbeitung, Autorenfoto, Cover. Das Baby ist nicht mehr in den eigenen Händen und das macht mich ein bisschen nervös. Besser formuliert – es ist aufregend. Und ich bin ungeduldig. Aber alles in allem – es fühlt sich sehr sehr gut an. Dafür sorgen auch die etwas abseitigen Aktionen, die im Hintergund laufen, die von meiner Agentin Hanne Reinhardt, die Sveas Nachfolge angetreten hat, seit diese sich auf ihr eigenes Schreiben konzentriert, begeistert unterstützt werden. Ich hatte selten das Gefühl, dass so viele und so talentierte (und darüber hinaus hochgradig attraktive) Menschen mich bei dem unterstützen, was mir vorkommt, wie mein Romandebut. Ein Debut ist es nicht, nur stand auf diversen anderen Romanen nicht mein Name drauf.

Als ich, vor fast 6 Jahren, mit dem Bloggen anfing, war das eigentlich eine pure Trotzreaktion. Wenn keiner meinen Roman veröffentlichen will, dann schreibe ich jetzt eben für umsonst. Ein Umweg ist auch ein Weg. Halt länge als der direkte. Aber auf diesem sind mir wunderbare Menschen begegnet, unter anderem auch die Frau, der „Ashby House“ seine Veröffentlichung zu verdanken hat – Svea. Der Weg bis zur Veröffentlichung erscheint mir jetzt gerade auch noch sehr lang. Aber mit der Truppe, mit der ich ihn bestreite – Hanne, Frank, Betsy u.a. – , wird es ein vergnüglicher.

Advertisements