Ich hatte einen Anfang, das Ende, einen üppigen Fundus aus Hollywood-Mystery-History, zwei Lieder, wovon eines den Rahmen herstellte, das andere das Herzstück des Romans bildete und – und es fällt schwer, zu beurteilen, welche der Zutaten die wichtigste war – eine Heldin. Wie? Kein schwuler Roman? Nein, denn ich wollte einen Roman schreiben und keine Autobiographie.
Ein veröffentlichter Blogger-Kollege fragte mich einst bestürzt: „Wieso schreibst Du bloß einen Schauerroman, VK? Warum nichts Richtiges?“
Meine Antwort war ein zitroniges Lächeln. Realität bilde ich auf meinem Privat-Blog ab, aber ich wollte ein Buch schreiben, das ich mir dann vielleicht eines Tages mal als Film anschauen würde können. Etwas Buntes, Fantastisches, keinen Berliner Januar, sondern etwas, das einen den Berliner Januar vergessen lässt. Ein bisschen Eskapismus, aber nicht ohne Substanz, also mehr (Coppola´s) Dracula und weniger Twilight. Vielleicht eine Art Dracula light, aber ohne Vampire. Mit einer rothaarigen Antiheldin, die man eigentlich nicht mögen darf, aber irgendwie kriegt sie einen trotzdem rum.

2005 also war die erste Fassung von „Ashby House“ fertig. Probeleser Jürgen Haus, die amerikanische Nachbarin Rebecca Steinberg und Lieblingsfotograf Frank Burkhard hatten wichtige Kritikpunkte geliefert, die in der weiteren Bearbeitung Berücksichtigung fanden. Ich drückte ein Exposé meiner damaligen Agentur in die Hand und bekam ein paar Monate später einen Zettel mit den Namen der Verlage, die das Buch abgelehnt hatten. „Ashby House“ legte sich in einer Schublade in einen Winterschlaf, der 5 Jahre dauern sollte.

Im September 2009 bekam ich eine Email, von der jeder literarisch ambitionierte Blogger träumt. Svealena Kutschke, die damals in der Agentur Simon arbeitete, hatte sich ein paar Blogs angeschaut, festgelesen und daraufhin eine namhafte Bloggerin und mich kontaktiert. Wir trafen uns in einem Café am Paul-Lincke-Ufer.
Ich war sofort begeistert von der Frau mit den Louise Brooks-Haaren und dem quietschgelben Trench. Ketterauchend saßen wir in der Spätsommersonne und tranken Milchkaffee.
Ob ich mir denn vorstellen könne, ein Buch-Projekt zu realisieren.

Damals gab es in der Tat den Plan für ein Buch – eine Zusammenarbeit mit mehreren Bloggerinnen und Bloggern, eine Art prosaisches Großstadtgedicht, zusammengestellt aus den Blogs von Bomec, Airen, Lucky Strike, Tod Spango, Frau Fragmente und meinem Blog – Glamourdick. Ich hatte bereits ein copy-and-paste-Exposé gebastelt, in dem ich unsere Texte gegen und miteinander schaltete. Ich hatte große Freude daran, aber zwei Dinge sprachen damals gegen das Buch: die Veröffentlichung von Airens „Strobo“ stand kurz bevor, somit waren seine Texte bereits bei einem anderen Verlag, und dann war da der unglückliche Nimbus des Bloggers-an-sich. Blogger können keine Journalisten sein und Autoren schon gar nicht. Damals war ein Blogger NUR ein Blogger, egal wie gut oder schlecht, die Blogsphäre galt als ein Kosmos für Nerds, etwas Beachtenswertes würde dort nicht entstehen können.
„Und sonst so ? Haben Sie vielleicht schon etwas in der Schublade?“
„Tja. Da wäre mein Ausflug in die Welt des New Gothic.“

Zwei Wochen später bekomme ich einen Anruf.
„Also ich finde „Ashby House“ fantastisch, aber ich musste noch die Meinung meiner Kollegin abwarten. Und die kam eben mit dem Manuskript und einem breiten Grinsen ins Zimmer.“

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